Welchen Einfluss hat die Anzahl von Eckbällen auf das Spielergebnis?

Standardsituationen sind eine der einfachsten Methoden, ein Tor zu erzielen. Während es gar nicht so viele Elfmeter gibt, die fast eine Garantie fürs Tor sind, so sieht man in jedem Spiel mehr als 10 Eckstöße. Die Spielfortsetzung aus der Ecke des Spielfelds ist vielleicht keine Ankündigung des Tors, sie bedeutet jedoch eine Gefahr für den Torhüter der Gegenmannschaft. Im Falle von stärkeren Mannschaften bestätigt jeder weitere Eckstoß ihre Überlegenheit im Spiel, für schwächere Mannschaften bedeutet es vielleicht eine der wenigen Gelegenheiten, eine Torchance zu kreieren. Theoretisch reicht hier die Teilnahme von zwei Spielern aus, um das Tor zu erzielen – des Spielers, der flankt und des Torschützen. In der Theorie gibt es also keine einfachere Methode, das Tor zu erzielen.

 

Eckstöße tippen

Durchschnittlich ist 1/10 Eckbälle ein Tortop

Am Anfang ein paar Zahlen von den Statistikern. Laut diesen endet jeder zehnte Corner mit einem Tor. Es ist jedoch nicht einfach, dieses Wissen auf ein konkretes Spiel umzulegen. In der Regel schwankt die Anzahl von Eckstößen im Spiel bei 10 und wir sehen doch nicht in jedem Spiel ein Tor, das auf diese Art und Weise erzielt wird. Es gibt jedoch Spiele, wie beispielsweise das Spiel zwischen Manchester United gegen Leicester, in denen 3 Eckstöße in der ersten Halbzeit die Tore für die Gastgeber gebracht haben. So muss man den Statistiken aufs Wort glauben. Auch dann, wenn sie sagen, dass die Chance auf das Tor nach einem Eckball für jede Mannschaft 25 % beträgt.

Als Beispiele können die Spiele der Weltmeisterschaften 2014 in Südafrika dienen. In der Gruppenphase wurden 19 Tore (4% aller Tore in der Gruppenphase) nach Vorlage aus einem Eckstoß erzielt (es bedurfte 474 Eckbälle). 14 Nationalmannschaften haben auf diese Art und Weise mindestens 1 Tor erzielt. Interessant ist, dass 11 davon den Einzug in die nächste Phase geschafft haben. Sind also Tore nach Eckstößen nur die Domäne der besten Mannschaften?

Nicht unbedingt. Zum Beispiel hat Real Madrid in den Saisons 2005 – 2009 dank Eckstößen nur 11 Tore erzielt. Um dies zu schaffen, haben die Königlichen 778 Eckstöße ausgeführt – dies ergibt ein katastrophales Mittel von 1 Tor / 70 Eckstöße. Dies wundert um so mehr, dass sie noch weniger Tore auf diese Art und Weise kassiert haben – nur 8 nach 884 Eckbällen der Gegenmannschaften (durchschnittlich 1 Tor / 80 Eckbälle).

Wir kann man es erklären? Wenn sie so wenig Tore kassiert haben, dann mussten sie in der Mannschaft Spieler haben, die perfekt mit dem Kopf spielen. Und wenn es wirklich der Fall war, dann warum haben sie so wenig Tore erzielt? Fußball ist manchmal unerklärlich.

Denn wie kann man die Tatsache erklären, dass in der Saison 2014 / 2015 FC Barcelona nach 13 Spieltagen die größte Anzahl von Eckstößen hatte (96), nach denen seine Spieler … 0 Tore erzielt haben? In dem gleichen Zeitraum hat Real 6 / 53 Eckbälle mittelbar zu Toren verwandelt und ein absolutes Phänomen war damals Ateltico Madrid , der 7 von allen 19 erzielten Tore (36%) eben nach Eckstößen erzielt hat (um dies zu erreichen, brauchte er nur 64 Eckstöße). Sicherlich spielt hier die geringe Körpergröße vieler Barcelona Spieler eine Rolle (z.B. Messi, Iniesta, Alba). Der Stolz Kataloniens kennt eigene Schwächen und spielt die Standardsituationen anders.

Obwohl der Anteil von Toren, die nach Eckstößen erzielt werden, in den Top-Ligen auf gleichem Niveau bleibt, so gibt es auch Ausnahmen. Während in der WM in Brasilien auf diese Art und Weise 7% aller Tore erzielt wurden, in der Champions League Saison 2011 / 2012 8%, haben in der Saison 2012 / 2013 der englischen Premier League die Spieler 13% alle Tore nach Eckstößen erzielt. Ganz viel, nicht wahr?

 

Eckstöße sicherten Griechenland den Triumph in Euro 2004top

Im Falle von Toren, die nach einem Eckstoß erzielt werden, weiß man es nie ganz genau, ob dies eine geplante Aktion der ganzen Mannschaft war oder nur eine glückliche Reihenfolge von Ereignissen, verbunden mit Unaufmerksamkeit der Gegenspieler. Dies war sicherlich völlig bedeutungslos für die Griechenlands Fans. Ihre Mannschaft hat für eine der größten Überraschungen in der Fußball Geschichte gesorgt. Wäre dies ohne Effizienz in Ausführung von Eckstößen möglich gewesen? Auf keinem Fall.

Otto Rehhagel, Griechenlands Trainer war sich der Schwächen seiner Mannschaft bewusst. Damit seine Spieler überhaupt Chancen gegen technisch besseren Gegner haben, musste er eine entsprechende Taktik verwenden.

Sein Plan für Spiele gegen Favoriten Frankreich, damals starkes Tschechen und Gastgeber Portugal war also einfach. Eiserne Abwehr und die Erwartung von Standardsituationen, z.B. Eckstößen. Er konnte wahrscheinlich in seinem schönsten Traum nicht voraussehen, dass diese Taktik seiner Mannschaft den Titel des besten Teams auf dem Kontinent sichert.

Fehlerfreies, opferbereites Spielen der ganzen Mannschaft in der Defensive und schließlich ein bisschen Glück (und vielleicht noch was?) bei den Eckstößen haben Griechenland ein Tor und zugleich den Sieg sowohl im Halbfinale gegen Tschechen als auch im Finale gegen Portugal gesichert. Die Griechen wurden den sensationellsten Sieger in der EM Geschichte genannt und zugleich einen Sieger, der am hässlichsten gespielt hat. Dies hat aber keinen von denen gestört.

 

Zwei Eckstöße von Beckham und ein unvergesslicher Uniteds Triumph 1999top

Die ganze Champions League Saison 1998/1999 hat Manchester United die Fußballfans in ganz Europa begeistert. Das Team von Alex Ferguson hat nach tollen Spielen weitere Mannschaften auf seinem Weg ins Finale besiegt. Im Mai 1999 hat jedoch was in der englischen Mannschaft auf Barcelonas Camp Nou nicht so funktioniert, wie vorher. Ohne seine zwei Spielmacher Paul Scholes und Roy Keane war das Team, das vorher die Gegner mit seiner Intensivität, Angriffsbereitschaft uns technischen Fähigkeiten gedrückt hat, nur noch ein Schatten seiner selbst.

Und als die Bayern in Richtung Anzeigetafel geschaut haben und die Sekunden bis zum Spielende abgezählt haben, haben die Uniteds Spieler nochmals versucht. Das Resultat? Ein Eckstoß. David Beckham hat den Ball in den  Viertelkreis gelegt. Im Strafraum von Olivier Kahn haben sich alle Fergusons Spieler gemeldet,  auch der Riese Peter Schmeichel. Flanke, Durcheinander im Strafraum und Tor! 1:1.

Die Deutschen sind verzweifelt und es bleiben noch ein paar Dutzend Sekunden bis zum Spielende. Noch eine Aktion von United und… noch ein Eckstoß. Beckham flankt nochmals und der „Killer mit dem Baby-Gesicht” Ole Gunnar Solskjaer schießt den Ball ins Tor aus der Nähe. 2:1!!! Die Engländer sind in Ekstase und die Bayern konnten lange vom Rasen nicht aufstehen und nicht glauben, was gerade passiert ist. Ein bisschen mehr als 100 Sekunden und 2 Eckstöße haben sie vom ersehnten Pokal getrennt.

Beispiele kann man endlos nennen. Zwei goldene Kopfbälle von Zinedine Zidane im World Cup Finale 98 gegen Brasilien, Ausgleichtor von Marco Materazzi im Endspiel gegen Frankreich in der WM 2006 in Deutschland oder das Tor von Didier Drogba in der letzten Minute des 2012 Champions League Finale gegen Bayern. Sind Sie immer noch der Meinung, dass die Eckstöße keine Bedeutung haben?

 

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